In Liechtenstein wird man auch mit kleineren Volumina ernst genommen

David Gamper, Geschäftsführer des Liechtensteinischen Anlagefondsverbands, tourte dieser Tage durch Österreich, um Werbung für den Standort Liechtenstein zu machen. Mit welchen Argumenten auch österreichische Fondsgesellschaften angesprochen werden, darüber und noch mehr unterhielt er sich mit dem Börse Express, Robert Gillinger.

Herr Gamper: Sie sind Geschäftsführer des LAFV, des Liechtensteinischen Anlagefondsverbands – vielleicht als kurze Einführung: was ist Aufgabe des Verbands. Ein wenig mit dem VÖIG vergleichbar, dem Verband der österreichischen Investmentgesellschaften?
Das ist quasi unser Pendant in Österreich. Bei uns kommt dazu, da Liechtenstein ein sehr kleiner Heimatmarkt ist, dass wir mehr Marketing im
Ausland für den Fondsstandort betreiben.

Marketing in der Hoffnung, dass …?
… Asset Manager, die nicht so groß wie die Blackrocks dieser Welt sind und einen Fonds auflegen wollen, dies in Liechtenstein tun.

Warum der Fokus auf kleinere Gesellschaften – ein Blackrock bringt doch gleich auf einen Schlag ein immenses Volumen?
Die Blackrocks haben ihre Strukturen in den Crossborder- Standorten Luxemburg und Irland bereits aufgebaut. Wir konzentrieren uns auf Private-Label-Fonds. Eine Nische, in der wir sehr erfolgreich sind.

Was macht aus Ihrer Sicht diesen Erfolg aus?
Bei uns wird man auch mit kleineren Volumina ernst genommen … daraus entstehen dann oft große Gesellschaften, denen wir auf die Beine geholfen haben. Stark sind wir auch bei individuellen Lösungen, wo sehr viel Know-how erforderlich ist.

Das Know how-dazu kommt von wo?
Aus der jahrzehntelangen Erfahrung, unter anderem auch durch unsere Treuhänder, die Stiftungsvermögen auf der ganzen Welt strukturieren und verwalten. Unsere Stärke sind nicht Standard-Produkte – wir finden die individuelle Lösung.

Schnelligkeit gilt auch als Erfolgsgarant des Finanzplatzes – etwa bei Fondsgründungen. Viel unkomplizierter als im Rest Europas dürfte es nicht sein, da die gleichen Regeln gelten. Was macht diese Schnelligkeit aus, die Manpower? Oder interpretiert man die Regeln etwas weicher?
Die Regeln werden eingehalten. Aber ein einfaches Beispiel dazu aus dem Bereich der UCITS-Fonds: Ob ein Aktienfonds Europa oder Amerika zum Inhalt hat, es ist immer ein Aktienfonds. Der Text dieser Dokumente unterscheidet sich im Normalfall kaum. Wir haben also von der Finanzmarktaufsicht bereits angenommene Musterprospekte, bei denen nur noch wenige Dinge geändert werden müssen, der Rest bleibt Standardtext. Andere Standorte wollen mehr verdienen und erstellen jedes Mal einen neuen Prospekt. Bei uns ist außerdem gesetzlich verankert, dass die Zulassung eines UCITS-Fonds nicht länger als 10 Tage dauern darf. 

Liechtenstein profitiert auch vom Passporting mit der EU, womit etwa Schweizer Fondsanbieter den Umweg Liechtenstein in die EU nutzen. Sehen wir eine ähnliche Bewegung aus Großbritannien oder ist so etwas zu erwarten?
Für Liechtenstein sehen wir das nicht. Die Sprache ist ein sehr wichtiger Faktor, da liegt Irland näher. Und Luxemburg hat extra eine Fast-Lane für britische Anbieter eingerichtet und liegt geographisch ebenfalls näher.

In der Roadmap 2025 des liechtensteinischen Bankenverbands findet sich die Leitlinie „Wachstum durch Innovation und Nachhaltigkeit“. Finden Sie sich in der Fondsbranche da wieder?
Absolut, Nachhaltigkeit ist ein sehr großes Thema: In einer Studie aus dem Jahr 2016 zu liechtensteinischen Fonds wurde festgestellt, dass diese bereits damals ein sehr starkes Nachhaltigkeits-Rating gehabt hätten, obwohl es noch gar keine Nachhaltigkeits-Labels gab. Nachhaltigkeit ist in den Genen unserer Asset Manager drinnen.

Gibt es Zahlen zur Anzahl und dem Volumen von Nachhaltigen Fonds?
Derzeit sind etwa 10 Prozent der Fonds nachhaltig, aber 24 Prozent des Volumens. Beim Stichwort Nachhaltigkeit fühlen wir uns wohl. Und bei der Innovation muss man dabei sein. Wir haben zum Beispiel den ersten Fonds auf Token-Basis in Liechtenstein aufgelegt. Wir können uns also gut mit dieser Roadmap identifizieren.

ESG, Nachhaltigkeit ist zwar in aller Munde und jeder ist grün. Greenwashing gibt es bekannterweise aber auch. Wie ist Ihre Branche aus Ihrer Sicht hier aufgestellt und wie stellen Sie möglichst sicher, dass man einem Liechtensteiner Fonds glauben darf, wenn Nachhaltig drauf steht?
Greenwashing ist ein Riesenthema. Wir sind dabei aber nicht die Fondsmanager, sondern die Fonds-Administratoren und schauen, dass die Regularien eingehalten werden. Und klassifizieren die Fonds dann entsprechend.
Und: jede Fondsbranche in jedem Land hat ihre Wohlverhaltensregeln. Liechtenstein ist aber das einzige Land im EWR, wo diese von der FMA abgesegnet wurden und verbindend sind. Bei Verstößen gibt’s Sanktionen. Das ist ein zusätzlicher Anlegerschutz. Da sind wir nochmals einen
Schritt strenger zum Schutz der Kunden.

Gibt es von Seiten der immer noch knapp 10.000 Privatstiftungen in Liechtenstein vermehrt Interesse an Fondskonstruktionen? Ich stelle es mir schwer vor, den Deckungsstock bei gewollten Ausschüttungen aber Null-Zinsen aufrecht zu erhalten.
Stiftungen selbst investieren seit vielen Jahren in Fonds. Was zuletzt dazu kam, ist, dass Stiftungen oder Family Offices vermehrt Fonds auflegen, die mit Teilen des Deckungsstocks gefüllt werden. Die Gründe dafür können steuerlich oder rechtlich sein.

Zusammengefasst, wie präsentieren sich die Chancen und Vorteile des Fondsplatzes Liechtenstein? Und wer könnte/sollte sich dafür interessieren, statt in Österreich seinen Fonds aufzulegen?
Interessant sind wir für individuelle Lösungen, für Assets die eher ein Nischenprodukt sind. Dann ist Liechtenstein für einen österreichischen Asset Manager interessant. Oder für jene, die auch Cross-Border anbieten möchten: bei uns ist auch der kleine Asset Manager gern gesehen, während man in Luxemburg bei vielen Anbietern schon an die 50 Millionen Euro an Assets zum Start braucht.

Sind die neuaufgelegten Fonds vor allem passiv oder aktiv gemanagt?
Mehr als 90 Prozent der Fonds bieten aktives Management. Das liegt auch daran, dass es sich bei den Neuauflagen zu etwa 80 Prozent um Alternative Investment Funds handelt, und diese sind zumeist aktiv gemanagt.

Braucht die Welt eigentlich noch so viele neue Fonds, gibt’s nicht schon genug?
Bei UCITS-Fonds werden es eher weniger, dort findet eine Konzentration statt. Der AIF-Bereich ist jedoch noch neu. Dort ging es erst 2013 los und wir sind erst am Anfang der Entwicklung. Es gibt noch viele Strategien, die als AIF umgesetzt werden können.

Zuletzt hieß es immer wieder, dass Gelder verstärkt nach Liechtenstein fließen. Wenn Sie mit Anlegern sprechen, was ist dort die Begründung?
Oft ist es die Angst vor Inflation. Liechtenstein ist ein politisches stabiles Land ohne die geringste Staatsverschuldung. Das finden viele sehr attraktiv.

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