Liechtenstein, ein wachsender Cross-Border Standort für Private Label Fonds

Hervorragende Rahmenbedingungen und der Zugang zum Europäischen Markt mittels Passporting lassen den Fondsplatz Liechtenstein boomen. 2020 haben so viele Fondsinitiatoren wie noch nie zuvor Liechtenstein als Domizil gewählt. Gerade bei Alternative Investment Funds (AIF) entwickelt sich Liechtenstein zu einem führenden Zentrum in Europa.

2020 brachte bei den Gründungen von Private Label Fonds gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs von 20 Prozent. Das bedeutet gleichzeitig zum vierten Mal in Folge einen neuen Höchstwert und eine Verdoppelung der jährlichen Fondsgründungen seit 2016. Beachtlich ist auch, dass Liechtenstein laut European Fund and Asset Management Association (EFAMA) im selben Zeitraum nicht nur prozentuell, sondern auch in absoluten Werten bei der Fondsanzahl – basierend auf Anteilsklassen – einen grösseren Zuwachs hatte als Luxemburg, Grossbritannien und  die meisten anderen europäischen Staaten. Lediglich zwei Länder legten stärker zu. Betrachtet man nur die Alternative Investment Funds (AIF), liegt sogar nur Irland vor dem Fürstentum. Liechtenstein ist nicht der Standort der grossen Player, sondern etabliert sich als beliebtes Fondsdomizil für Private Label Fonds, die bereits in 24 Ländern Europas vertrieben werden.

Vermögensverwalter aus der Schweiz und Liechtenstein zählen seit jeher zu den wichtigsten Fondsinitiatoren des Standortes. In den letzten drei bis vier Jahren stieg aber vor allem die Nachfrage aus Deutschland sowie von Family Offices, welche die attraktiven Rahmenbedingungen in Liechtenstein vermehrt nutzen. Das Land ist steuerlich attraktiv und bietet rechtlich, politisch und wirtschaftlich ein stabiles Umfeld, also ideale Voraussetzungen für eine langfristige Vermögensplanung.

Zügige Prozesse
Der grösste Vorteil des Fondsplatzes Liechtenstein liegt in zügigen Prozessen. Dies gilt sowohl für die Fondsgesellschaften als auch für die Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein. Andere Standorte sprechen bei Zulassungsverfahren von Monaten, in Liechtenstein liegt der Durchschnitt bei vier bis fünf Tagen. Es gibt sogar gesetzlich festgelegte Maximalfristen, die je nach Fondstyp zehn oder zwanzig Arbeitstage betragen.

Aber nicht nur bei der Zulassung, sondern auch allgemein ist die FMA Liechtenstein bekannt für ihre kurzen Reaktionszeiten bei Anfragen bzw. Anträgen. Jede Fondsgesellschaft (Kapitalverwaltungsgesellschaft) hat zudem einen Betreuer oder eine Betreuerin, den/die sie jederzeit persönlich kontaktieren kann. So können Themen oft einfach und ohne grossen Aufwand geklärt werden, was sich sehr positiv auf die Prozesse in der laufenden Fondsadministration auswirkt.

Ein weiterer Vorteil ist die Planungssicherheit bei der Kostenkalkulation, denn in Liechtenstein ist es üblich, «All in Fees» für die Gründung und die laufende Administration von Fonds anzubieten.

Fonds in Liechtenstein sind von allen Steuern befreit. Sie unterliegen zwar der unbeschränkten Steuerpflicht und haben deshalb im Grunde dieselben Deklarations- und Mitwirkungspflichten wie übrige steuerpflichtige Unternehmen, die Erträge aus dem verwalteten Vermögen liechtensteinischer Fonds werden jedoch steuerlich freigestellt und unterliegen somit im Ergebnis keiner effektiven Besteuerung. Es gibt weder Quellensteuern auf Ausschüttungen noch eine Taxe d’abonnement oder eine Mehrwertsteuer. Anleger müssen lediglich die Steuern ihres Heimatlandes berücksichtigen.

Liechtenstein ist durch die bestehende Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und per Übernahme der relevanten EU-Rechtsakte ins EWR-Abkommen an die EU-Gesetzgebung gebunden und setzt das europäische Fondsrecht auf nationaler Ebene um. Deshalb können Wertpapierfonds (OGAW) und AIF angeboten werden als auch alle in Europa gebräuchlichen Rechtsformen, darunter die SICAV, die SICAF, die Anlage-Kommanditgesellschaft, der Vertragsfonds (Sondervermögen) und die Trustform, um nur die wichtigsten zu nennen. Alle Varianten gibt es sowohl als Einzelfonds als auch als Umbrella mit Teilfonds. Ein Marktteilnehmer hat es kürzlich in einem Interview so ausgedrückt: «Liechtenstein bietet in etwa den gleichen Umfang an Strukturierungs­möglichkeiten wie die grossen Fondsdomizile in Europa, agiert jedoch wesentlich schneller und flexibler.»

Gute Noten für Liechtenstein
Die FMA Liechtenstein ist Vollmitglied in den europäischen Aufsichtsbehörden und somit denselben Regelungen unterworfen wie die Aufsichten in der EU. Im Übrigen nimmt Liechtenstein auch am automatischen Informationsaustausch (AIA) teil und hält alle internationalen Steuerstandards ein. Diese, seit vielen Jahren verfolgte Steuerkonformitätsstrategie, hat bereits 2015 dazu geführt, dass das Global Forum on Transparency and Exchange of Information for Tax Purposes (OECD) Liechtenstein im Rahmen der Länderprüfungen gute Noten ausgestellt und als «Largely Compliant» beurteilt hat, die gleiche Einstufung wie Deutschland.

Das ausgezeichnete Umfeld führt nicht nur dazu, dass Fondsinitiatoren – wie eingangs erwähnt – Liechtenstein vermehrt als Fondsdomizil wählen, sondern dass auch Alternative Investment Fund Manager (AIFM) bzw. Kapitalverwaltungsgesellschaften an Liechtenstein interessiert sind. So hat Stefan Klaile die Xolaris Capital AG als von der FMA zugelassenen AIFM in Liechtenstein gegründet und den Hauptsitz der Unternehmensgruppe ins Fürstentum verlegt. Für seine Entscheidung war ein weiterer Punkt sehr wichtig:  «Es war für uns sehr positiv zu sehen, dass es der FMA nicht nur um die reine Umsetzung der AIFM-Richtlinie geht, sondern vielmehr darum, die Qualität am Finanzplatz kontinuierlich und nachhaltig zum Schutz der Anleger und Marktteilnehmer zu verbessern.»

Mag. David Gamper, Geschäftsführer des Liechtensteinischen Anlagefondsverbandes (LAFV), Vaduz.

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